Archive for category Pop

Jupiter Jones – Holiday In Catatonia

Posted by MarcNess on Dienstag, 15 September, 2009

Keine kleine Hürde, die sich Jupiter Jones da vorgenommen haben: sich mit “Genregrößen” wie Muff Potter oder Kettcar auf Dauer messen zu lassen. Doch ist es wirklich das, was sie wollen? Sich messen lassen?

Gegründet haben sich die schwer sympatischen Jungs damals vor gut sieben Jahren auf einer Fete in der Eifel. Das Debüt  “Raum um Raum” und ihr Nachfolger mit dem großartigen Titel “Entweder geht diese scheussliche Tapete – oder ich” entpuppten sich als erste Achtungserfolge. Von dortan spielte man fast schon in der Profiliga intelligenter deutschsprachiger Punkmusik. Danach kam die Live-DVD “Leise”. Obwohl sie den vergleichsweise noch überschaubaren Fankreis mit ruhigeren Tönen rundum glücklich machte, befand man sich wenig später am Scheideweg. Was tun? Unverändert weitermachen hätte bedeutet, im Schnitt allerhöchstens mittelgroße inländische Bühnen zu rocken.  Doch die “vier Detektive” aus dem Saarland entschieden sich für einen anderen Weg. Nur zum Verständnis: wir haben es hier mit ???-Fans der ersten Stunde zu tun. Die Vier haben nicht nur sich selbst nach dem Anführer des Ermittlertrios (im englischen Original) benannt, sondern auch das bandeigene Plattenlabel nach seiner schrottverkaufenden Tante und ihrem Mann.

Abgehakt, das Interesse am bevorstehenden Urlaub in Catatonia war deutlich zu spüren, und Dieser beginnt schroff. Sänger Nicholas schreit “Es gibt nen Weg hieraus. Doch der ist steinig und lang.” Und etwas später: “Hallo Angst Du Arschloch!!!!” und jedem ist klar, das meint der ernst. Das rüttelt wach. Selbst Turbostaat dürften ihm anerkennend zunicken. Die erste Single “Das Jahr, in dem ich schlief” schaltet sodann gut zwei Gänge runter, hat aber noch genügend Pfeffer im Hintern, animiert zum Tanzen und zum auswendig mitsingen.  Die Partylaune scheint gesichert. Wären da nur nicht diese vielen halbherzigen (so wirken sie leider Gottes) Mid-Tempo-Songs im Anschluss, die im Gehörgang für Durchzug sorgen und nicht dort bleiben, wo sie eigentlich hingehören: ins Gedächtnis. Wie kommt das? Eine angenehme Gesangsstimme, gut durchdachte Texte und sauber gespielte Instrumente garantieren noch lange nicht, dass sich das Ergebnis fest im Kopf und im Herzen des Hörers plaziert. Und hier liegt das Problem, das Gros der Songs kann nicht nachhaltig wirken, nicht zwicken und nicht pushen. Das streckenweise nach vorne knüppelnde Duett mit dem Donots-Kopf Ingo inklusive klarer Polit-Anleihen stellt im weiteren Verlauf die einzige kantige Ausnahme dar.

Was bleibt zu sagen? Die sympathischen Herren Müller, Eigner und Co. haben sich bestimmt einem etwas breiterem Publikum genähert, was sie auch wollten. Man hat sich 3/4-prominente Gäste ins Boot geholt. Das hilft oft. Dem Album ist im Großen und Ganzen der Punk abgegangen. Das ist schade. Stattdessen gibt es viel Zeit zum träumen, von der guten alten Jugend. Denn: “Nach dem Alter kommt die Weisheit. Nach der Jugend kommt die Eiszeit.” Ob sich das so gelohnt hat?

Platten-blog Kritik : 50%


Tracklist: Das zu wissen, Das Jahr in dem ich schlief (feat. Oliver Rohrbeck), Was anders war, Eine Landjugend, Nordpol / Südpol (feat. Jana Pallaske), Er lässt doch immer alles fallen, Du und Jörg Haider (feat. Ingo von den Donots), Da leiden hier leiden, Wer winkt hier eigentlich wem, Heute ist der erste tag an dem ich mich offiziell alt fühle, Und dann warten  — 11

Übrigens: Jupiter Jones kann man momentan auch live sehen, für ziemlich kleinen Eintritt.



- Marc


Amy Macdonald – This is the life

Posted by Bjoern on Montag, 22 Dezember, 2008

Amy MacDonald oder das Mainstream Mädchen mit den Ohrwürmern. Jetzt wo sich das Jahr dem Ende zuneigt und man Top10 zusammenstellt, fällt mir auf: Amy MacDonald hat da eine Nische getroffen, und das obwohl ich Amys Debüt eigentich nur 1-2 Wochen intensiv gehört habe. Dennoch höre ich seitdem das Album in schöner Regelmäßigkeit alle paar Wochen mal “nebenbei”.

Was macht diese Pop Album für alternative Musikhörer interessant und unpeinlich? Wahrscheinlich die federleichten Songs, die gekonnt zwischen Gute-Laune und dezenter Melancholie platziert sind. Obwohl es Pop im besten Sinne ist, sind die Lieder trotzdem nicht seelenlos und überproduziert, wie es in diesem Genre allzu üblich ist. Amys Stimme, die Melodien, Instrumentierung und Texte wirken nicht wie von einer Heerschar Marketingfachleuten analysiert und auf Zielgruppen hin optimiert. Es wirkt, wie es entstanden ist, eine junge talentierte Frau schreibt zehn Lieder über ihr Leben und nennt sie “This is the life”

Und dort findet sich vor allem eins: Musik. Lieder über Pete Doherty (das großartige Poison Prince) und für The Killers (Run). Selbstbewusste Lieder über Ihre Träume erfolgreich zu sein (”Rolling Stone here I come, watch out everyone… Give me a festival and I’ll be your Glastonbury star”) und über bekannte Konzert Locations. Geschichten über Rock N Roll Stars, die auf IndieGirls treffen und Fußballer Ehefrauen, die versuchen sich aufzuspielen.

Alle diese Lieder hat sie auf ihrer Gitarre geschrieben, das Instrument ist auch dominierend und Taktgeber. Einige Lieder, wie das bereits erwähnte Run oder Youth of Today, sind dann jedoch leider dermaßen mit Bombast und Pathos überzogen, dass es Amys Stärke, die einfachen Gitarren-Gesangsmelodien zu sehr in den Hintergrund drückt. Weniger wäre da doch eindeutig mehr gewesen. Doch verzeihen wir ihr das gerne und erfreuen uns stattdessen an den zahlreichen Ohrwürmern. Die Dosis Pop auf Rezept – Alle paar Wochen 1-2x.

Plattenblog Bewertung: 65%

Tracklist: Mr. Rock & roll; This is the life; Poison prince; Youth of today; Run; Let’s start a band; Barrowland Ballroom; L.A.; A wish for something more; Footballer’s wife –10

- Bjoern


Kettcar – Sylt

Posted by Bjoern on Sonntag, 9 November, 2008

Alles beim alten bei Deutschlands besten Indie-Pop Textern? Naja, fast. Im Gesamtbild von Kettcar wird dezent die rockige Seite ausgebaut.

Ein Kettcar Album braucht seine Zeit. So war es bei “du und wie viele von deinen Freunden” und so war es bei “Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen”. Deswegen habe ich es mir nicht im April gekauft sondern erst kürzlich während der derzeitigen “Platten Flaute”. Damals gab es zu viele großartige CDs, und Kettcar CD sollte man seine Zeit geben.

Und das war auch diesmal gut so. Ich war nicht von Anfang an begeistert. Zu altbekannt klang das ganze. Als hätten sich Kettcar nur ein paar weitere Themen rausgesucht und dazu ein wenig ihre Fähigkeit, großartige Texte zu verfassen, rausgelassen. Die Veränderungen? die verstärkte Wut? Naja Nuancen statt Neubeginn trifft es besser.

Doch dann… nach ein paar Mal hören kamen die ersten Perlen zum Vorschein. Die großartige, melancholische Stimmung bei “Am Tisch” (Siehe Video-Link), die Abrechnung mit Menschen, die nur noch auf und für die Arbeit leben (Geringfügig, befristet, raus) – was für ein genialer Sing a long Refrain – und natürlich Graceland. Am Beispiel Elvis pranget Kettcar die Millionen Menschen an, die in ihrer eigenen Vergangenheit leben, die Gegenwart nur noch verzerrt wahrnehmen und ablehnen (Man ist jung oder tot) und sofort auf die Rückspultaste des Lebens drücken würden, nur um wieder glücklich zu sein (Wir würden alle sofort von vorn anfangen, Wir hatten Songs, Sex, Alles wie immer, nur jünger)

Und auf einmal… zündete das gesamte Album. Einzig Fake for real ist unnötig und ersetzbar. Markus Wiebusch verurteilt über wabbernden Elektro Sounds die Wirtschaft. Kunstvoll ja, aber auf Dauer stört es den Fluß des Albums zu stark und ist einfach anstrengend zu hören. 2-3 Titel sind nett, aber keine Highlights (Agnostik für Anfänger, Thematisch gehts um Langeweile und die musikalisch ist entsprechend ein wenig). Haben im Gesamtwerk aber durchaus ihre Berechtigung.

Nach den introvertiert, romantischen letzten beiden Werken, verurteilen Kettcar nun die Fake-Gesellschaft (Sylt ist ein perfektes Bild dafür). Der rauhere, wütende Ton in Lyriks zieht auch (aber nur abgeschwächt) in die Musik ein. Vielen Liedern steht das raue Gewand gut. Für Fans nichts wirklich Neues, aber eine weitere gute CD. Das Konzept Kettcar funktioniert (noch?)…

Und wie beendet man eine Kettcar Rezi??? Genau mit einem Zitat. “Überall lauern Barbie und Ken, du kriegst in/out Listen und Top10, für jeden Mist den keiner braucht” In dem Sinne – “Das ist Graceland baby

Plattenblog Bewertung: 70%

Tracklist: Graceland; Nullsummenspiel; Am Tisch; Kein Außen mehr; Wir müssen das nicht tun; Fake for real; Geringfügig, befristet, raus; Agnostik für Anfänger; Verraten; Dunkel; Würde; Wir werden nie enttäuscht werden — 12

-Björn