Archive for category Singer Songwriter

Tom Gabel – Heart Burns

Posted by MarcNess on Dienstag, 23 Dezember, 2008


Den Zeitpunkt der Veröffentlichung seiner ersten Solo-EP Heart Burns hat sich Against Me!-Frontmann Tom Gabel gut überlegt. Kurz vor den Wahlen des Präsidenten der Vereingten Staaten von Amerika sollte sie erscheinen. Alles andere erschien ihm im Vergleich dazu vorerst peripher. “Cowards sing at Night” bildet bezeichnender Weise das inhaltliche Herz der Platte. Die Textzeilen Come back home Johnny. Come Back Home from Vietnam. Your War is over bedürfen wohl keiner weiteren Erläuterung.

So bedeutungsschwanger geht es nicht über die gesamte Lauflänge von Heart Burns zu. “Conceptual Paths” überrascht mit schleppend-scheppernden Drums und Beats, wirkt jedoch im Gesamtkontext ein wenig trivial. “Random Hearts” und “Amputations” (hier arbeitet Alkaline-Trio-Sänger Matt Skiba mit) klingen zudem zwar nach bester Against Me!-Tradition (kein allzu großes Wunder, denn Against Me! bestand zu Beginn allein aus Tom Gabel, bevor sich dieser auf die heutige Stammformation einließ), sind aber irgendwie gefühlt ebenso schnell wieder Geschichte wie sie begonnen haben.

Während allen Songs mindestens ein protestartiger Unterton anhaftet (hier geht es durch die Bank um mehr oder weniger politische Themen), zeigen das herrlich augenzwinkernde “Anna is a stool Pigeon” und “100 Years of War” vor allem auf, wo Tom Gabels eigentliche Wurzeln und Stärken liegen. In guter alter Singer-Songwriter-Manier begleitet er sich selbst auf der akkustischen Gitarre. Die Geschichte von “Anna” hat seinem nicht minder prominenten Kumpel Chuck Ragan von “Hot Water Music” so gut gefallen, dass er Tom ebenfalls mit seinen Background Vocals unterstützte.

Und soviel ist klar: Der talentierte Mr. Gabel aus Gainsville (Florida) läßt allein durch seine Stimme das Herz des treuen Against-Me!-Fans höher schlagen. Durch seine immerzu ambitionierten Texte und die sympathisch-schnoddrige Art, sie zu transportieren, erweckt er zumindest das Interesse einer aufgeschlossenen Hörerschaft. Mal sehen, was nun noch kommt: Das nächste (offizielle) Against-Me!-Album noch ein bißchen weiter in Richtung Pop? Oder direkt der vollständige Solo-Longplayer back to the roots? Wir jedenfalls haben nur ein Anliegen, lieber Tom: Hör nie auf, Dich so schön zu beschweren, wie bisher.

Plattenblog Bewertung: 65 %

Tracklist: Random Hearts; Conceptual Paths; Cowards sing at Night; Amputations; Anna is a stool Pigeon; Harsh Realms; 100 Years of War – 07

-Marc


Conor Oberst – Conor Oberst

Posted by Bjoern on Sonntag, 26 Oktober, 2008

Back to the roots, aber doch nicht so ganz… Conor Oberst, Kopf/Mastermind der Bright Eyes, junger Bob Dylan oder der nächste Kurt Cobain – nie lies er sich in seiner Karriere in eine Schublade stecken. Nach dem etwas überladenen Cassadaga der Bright Eyes konzentriert er sich wieder auf einfache Folkmelodien, die einem so schnell nicht aus dem Kopf gehen. Wie früher? Nicht ganz. Das Ausrasten, das Brechen der Stimme und Struktur, das Lo-Fi. Scheinbar hat er sich davon endgültig verabschiedet.

So scharrt Conor Oberst diesmal seine Mystic Valley Band um sich und begibt sich nach Mexiko. Das Ergebnis sind 12 Lieder, die nicht so spektakulär wie seine früheren Alben sind, aber trotzdem einen unwiderstehlichen Charme haben und zum entspannen einladen. Unspektakulärer US-Folk im positivsten Sinne. Wer Bright Eyes kennt, weiß was einem erwartet.

Gone gone from New York City gibt uns gegen Ende endlich Gewissheit dies ist ein Konzeptalbum. Conor ist mit dieser Platte im Urlaub, im Urlaub von den Bright Eyes. There is nothing that the road cannot heal singt er ebenso in Moab. Er reist dabei u.a. durch Florida (der großartige Einstieg mit Cape Canaveral) und Kalifornien (Sausalito) und trift junge Menschen und deren Schicksale, wie den totkranken Danny Callahan (Even Western medicine it couldn’t save Danny Callahan, Bad bone marrow, a bald little boy). Er beobachtet am Strand Briefträger, die sich von Ihrer Arbeit eine Auszeit gönnen, obwohl Genesungswünsche noch ausgeliefert werden müssen… Die vielen kleinen Geschichten, machen die Lyrics absolut lesenswert.

Man merkt ihm an, dass das Album Spaß gemacht hat. Die Promofotos und Videoclips sind dementsprechend witzig und herrlich unverkopft. Auf dem Cover entspannt er in einer Hängematte.

Ist das Album ein Zwischenschnaufen die Auszeit vorm nächsten Meilenstein des Folks. So rastlos wie Conor Oberst ist, werden wir es schon bald wissen.

Plattenblog Bewertung: 80%

Tracklist: Cape Canaveral; Sausalito; Get-well-cards; Lenders in the temple; Danny Callahan; I don’t want to die (in a hospital); Eagle on a pole; NYC-gone, gone; Moab; Valle mistico (Ruben’s song); Souled out!!!; Milk thistle — 12

-Björn