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Devour

Dave Hause hat es wieder getan. Devour ist das zweite Solo-Album des Sänger von The Loved Ones. Dabei sollten die Lieder ursprünglich im Punkgewand auf dem dritten Album der Band erscheinen. Alles ist anders gekommen. Und das ist auch gut so.

Scheinbar ist der Presse noch kein Name dafür eingefallen, aber es häufen sich Bands und Künstler, die Mitte Dreißig sind, aus der großen Arbeiterstädte kommen und unkomplizierten und ehrlichen Folk-Punkrock spielen. Diese Bands sehen sich in einer Tradition mit Bruce Springsteen, flirten durchaus mit der Radiotauglichkeit, fordern es jedoch nicht zwingend ein, wie es einige große amerikanische Stadionrockbands a’la Nickelback vormachen. Diese Bands sind stolz auf ihre Punkrock Wurzeln und klingen durchaus mal wie Social Distortion. Vorreiter und Aushängeschild dieser Bewegung sind The Gaslight Anthem. Und mit dem war Dave Hause auch schon öfters auf Tour. Ebenfalls mit Chuck Ragan, Sänger von Hot Water Music, auf seiner Revival Tour, die ihn 2011 u.a. auch nach Deutschland führte. Punksänger goes Acoustic

Nach dem Debüt Soloalbum Resolutions erscheint diese Tage Devour (zu Deutsch „verschlingen“) und knüpft mit verbessertem Songwriting nahtlos an die Vergangenheit an. Devour ist ein Konzeptalbum geworden, in dem es um den amerikanischen Traum und die Diskrepanz aus Scheitern und Hoffen geht. Als Kind der 80er Jahre entlarvt Dave Hause bspw. in The Great Depression jenes glorifizierte Idealbild. Man kann alles erreichen, was man will und wer ist nicht schafft ist selbst Schuld. „You can be anything, just get your education„, „Eat your vitamins and say your prayers You’ll become docter, lawyers and millionaires“ Das führt zu Druck. Unerfüllte Träume werden durch sinnlosen Konsum aufgewogen.  „Watching hollow dreams get buried under heaps of plastic trash„. Pillen, Religion oder leere Worte sollen das Gewissen beruhigen. „They said take this to relax you it’ll keep you calm. They said the tumor would shrink before it killed my mom“ aus Autism Vaccine Blues. Deutliche Worte wählt Dave Hause auch in We could be kings, in der er das Bild einer jungen Liebe aufzeichnet, die durch die Armee zerrissen wird.

Die Reise auf Devour, die so düster beginnt, wird gegen Ende von Hoffnungsstrahlen erhellt, sei es durch Aufbruch in Bricks  „Start to brand a brand new foundation from the bricks you threw my way“ oder Liebe im abschließenden Benediction: „It’s love my friend in the end that can save us tonight. So are you in?“ Hier zeigt sich die Finesse des Songwriters Dave Hause. Der Song wendet sich an den Zuhörer, fasst die Themen der vorherigen Stücke zusammen und bildet mit dem ersten Song den Rahmen des Albums „oh my friends time to go. Did you enjoy the show? Did you dance? Did you drink? Did you take any notes?

Musikalisch bewegt sich Dave Hause dabei überwiegend im Folk- und Classic Rock, so ur-amerikanisch wie es nur geht. Gern auch begleitet von einem Piano. Songwriter- Melancholie kommt in Liedern in den von Gitarren getragenen Song wie Becoming Secular oder Bricks auf. Die sanfte Stimme und die große Dynamik innerhalb der einzelnen Lieder machen die Qualität aus und heben das Album von Genrekollegen ab. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt bspw. auch allschools.de, wo die Energie des Albums hervorgehoben wird.

Diese Energie verpufft leider ein wenig im Mittelteil. Dort hat Devour einen deutlichen Durchhänger. Die aufeinanderfolgenden Songs Father’s Son und Stockholm Syndrome sind eine Spur zu einfallslos geworden und hat man in diversen Stadien von größeren Bands so ähnlich gehört. Die nachfolgenden Lieder sind weniger furios wie der Start und brauchen dadurch ein wenig um das Gesamtwerk wieder auf Kurs zu lenken.

Abschließend sei dieses Album allen ans Herz gelegt, die amerikanische Musik mögen, nicht vor dem klassischen Gewand eines Rocksongs zurückschrecken und sich gern mit Lyrics und Konzeptalben auseinandersetzen. Gerade auf der Ebene lässt uns Dave Hause auf Devour einiges entdecken. Ihr könnt auf Soundcloud in das gesamte Album reinhören.

Wem das alles zu clean ist und wer lieber mit einem Whiskey in der Hand in einer versifften amerikanischen Bar dem dreckigeren Folkrock frönt, der sollte in Wild American Runners von Arliss Nancy reinhören.

Devour Tracklist:
Damascus; The Great Depression; We Could Be Kings; Autism Vaccine Blues; Same Disease; Before; Father's Son; Stockholm Syndrome; Becoming Secular; The Shine; Bricks; Benediction
Dave Hause Devour
Rise Records (Cargo Records), 11.10.2013
Plattenkritik von , 11.10.2013
Gesamtpunktzahl: 80%

Autor: Bjoern

ist leidenschaftlicher Musik-Blogger. Von Indie-Pop über Schweden Rock bis hin zur neuesten Hardcore Scheibe rezensiert Björn, alles was ihm unter die Finger kommt und mit Gitarre zu tun hat.

Album kaufen: Amazon| iTunes

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