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Born Villain

Marilyn-Manson-Born-Villain-Cover

„The long hard road out of Belanglosigkeit.“ Zugegeben, es wäre einfach, diese CD zu zerreissen. Marilyn Manson’s beste Zeit scheint länger zurückzuliegen. In den USA den Major Plattenvertrag verloren. Aktuelle Interviews betonen, dass 20 Jahre Schock Rock nicht spurlos an einem vorbeigehen können. Nicht zu vergessen, dass die letzten Alben auch künstlerisch wenig anspruchsvoll waren, und abgesehen von wenigen Lichtblicken, deren Lieder überwiegend zwischen uninspiriert und peinlich pendelten. Altherren Schock Rock?

Doch diesmal wird alles anders, so verspricht Herr Manson, Twiggy Ramirez und Co. Und wir haben Zweifel. Minimales Artwork und Lyrics nur auf der Webseite. Außerdem einen CD Kopierschutz (Wer braucht so etwas heutzutage?). Kein guter Start. CD Player an und in die ersten Sekunden von „Hey, Cruel World.“ reingehört. Ja, es ist Marilyn Manson. Kein Zweifel, markante Stimme, gewohnt druckvolle und saubere Produktion. Aber das Lied überzeugt nicht so recht. Ein Standard Marilyn Manson Song mit einer ruhigen Strophe und einem lauten Refrain, der nicht sonderlich inspiriert, melodisch oder sonst etwas ist. Die Single „No Reflection“ als Song Nr. 2. Viel rhythmischer, wieder ein wenig poliert. Trotzdem nicht schlecht. Marilyn Manson schüttelt diese Art von Singles ohne Probleme aus dem Ärmel, die Schablone dazu hat er vor vielen Jahren gefunden. Kein „The Beautiful People„, aber der Song entwickelt sich zu einem der Lichtblicke. So geht es weiter. Bis Song Nr. 5 von Born Villain erinnert einiges an alte Lieder, aber die Adjektive zahnlos oder ungefährlich trifft es vermutlich am besten. Da können die kleinen Zwischenstücke und Intros auch nicht so recht Stimmung aufbauen. „Slo-Mo-Tion“ ist der absolute Tiefpunkt.

Nr. 6 „The Gardener“ – Das Intro: „I’m not man enough to be human, but I’m trying to fit in and I’m learning to fake it“, röchelt uns Brian Warner entgegen. OK, wenn er meint. Der Song, der folgt, läßt mich aufhorchen. Der Bass wiederholt stoisch einen einfachen Basslauf, das Schlagzeug begleitet mit simplen Rhythmus. Die Gitarre sorgt für einzelne, verstörende Töne. Marilyn Manson erzählt mehr, als er singt. Der Song bricht endlich das Standard Muster. Der Song atmet und lebt. Und auch „The Flowers Of Evil“ weiß zu gefallen. Wiederum Bass und Schlagzeug getrieben, melodische Gesangslinie und einen Refrain, der ins Ohr geht. „Children Of Cain“ wird danach düster und verzweifelter. Hat der Refrain von „Lay Down Your Goddam Arms“ gar etwas von den Deftones? Seit Jahren fühl ich mich erstmals wieder positiv an Mechanical Animal oder Holy Wood erinnert. Ist das die selbe Platte, wie zu Beginn? „Murder Are Getting Prettier Every Day“ hat mit seinem starken Industrial Einfluss und der Härte endlich wieder etwas Unberechenbares und Rohes. Wie auf den meisten Songs der zweiten Hälfte, schreit, stöhnt, ächzt, zetert und winselt sich Marilyn Manson durch die Songs.

Das Abschlusslied „Breaking The Same Old Ground“ ist etwas zu routiniert und einfach, um als Coma White 2012 durchzugehen. Geht aber in Ordnung.

Die Band tat gut daran „You’re So Vain„, das Cover von Carly Simon, als Bonus Track zu titulieren. Auch wenn Jonny Depp hier an der Gitarre und am Schlagzeug aushilft, ist diese Coverversion überflüssig. Sicherlich besser als „Personal Jesus„, aber das ist keine Kunst.

Die Band hat 2012 zwar keinen Neustart hingelegt, überrascht auf Born Villain dennoch mit einer starken zweiten Albumhälfte, nachdem der schwache Start an die letzten beiden Alben erinnert. Dass auf die obligatorische Coverversion nicht verzichtet wird, sondern als Bonustrack auftaucht, entspricht dem Gesamteindruck: Etwas mehr Mut hätte ein herausragendes Album ergeben. Marilyn Mansons Gespür für gute Musik ist also nach wie vor vorhanden. Und das war lange Zeit nicht sicher.

Born Villain Tracklist:
Hey, Cruel World; No Reflection; Pistol Whipped; Overneath The Path Of Misery; Slo-Mo-Tion; The Gardener; The Flowers Of Evil; Children Of Cain; Disengaged; Lay Down Your Goddamn Arms; Murderers Are Getting Prettier Every Day; Born Villain; Breaking The Same Old Ground; You're So Vain
Marilyn Manson Born Villain
Vertigo Berlin (Universal), 27.04.2012
Plattenkritik von , 09.05.2012
Gesamtpunktzahl: 70%

Autor: Bjoern

ist leidenschaftlicher Musik-Blogger. Von Indie-Pop über Schweden Rock bis hin zur neuesten Hardcore Scheibe rezensiert Björn, alles was ihm unter die Finger kommt und mit Gitarre zu tun hat.

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2 Gedanken zu „Born Villain“

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