Archive for category Rock

Them Crooked Vultures – Them Crooked Vultures

Posted by Bjoern on Mittwoch, 2 Dezember, 2009

Them-Crooked-Vultures-CD-CoverIst Them Crooked Vultures eine Supergroup? Oder die Supergroup unter den Supergroups? Und darf man überhaupt über eine Supergroup eine Kritik schreiben? Dieser Begriff der Mitte dieses Jahrzehnt für alle zusammengewürfelten Bands stand, feiert 2009 eine Renaissance. Während die bisherigen Versuche gar nicht so super waren (Audioslave mit einigen guten Liedern, Velvet Revolver mit einigen guten Ansätzen) stehen nun die Herren Josh Homme, Dave Grohl und John Paul Jones (ja, der von Led Zeppelin) bereit, dem geneigten Rockmusik-Hörer gepflegt das Hirn wegzublasen.

Und es klappt zunächst verdammt gut. Das zurückgelehnte “No one loves me & neither do I” ist genau der richtige Opener für das Album und setzt die Coolness Latte gleich innerhalb der ersten Minute auf Referenzniveau. Text ist hier, wie auch bei den folgenden Liedern eher schmuckes Beiwerk: “I’ve got a beautiful place to put your face’ and she was right” Aber über was soll man sonst bei so einem Lied auch singen. Ab der Mitte kippt das ganze noch einmal und entwickelt sich hin zu einem stampfenden Bastard von einem Song, der über alles hinwegwälzt, was sich ihm in den Weg stellt. WOW.

Die nächsten beiden Lieder kennen wir schon aus der Promo Maschinerie der Herren und sind nicht zuletzt der Grund, weshalb der die Erwartungshaltungen ins unermessliche gestiegen sind. Nicht nur, aber besonders bei diesen fällt das variable Schlagzeugspiel von Dave Grohl positiv auf.

Mit “Dead End Friends” an vierter Stelle haben wir einen für Them Crooked Vultures etwas einfacher gestrickten Song und gleich den potentiellen Indieclub “Hit”. Das Rezept scheint einfach: Etwas weniger gejammt, klare Struktur und ein wenig poliert, aber ohne die Coolness zu verlieren. No one knows, der Singles Hit von Queens of the Stone Ages ewigem Referenzalbum Songs for the Deaf läßt grüßen. Baut er doch auf einem ähnliches Rezept auf.

Nach diesem Ausflug schiebt Elephants den Karren auch direkt wieder auf Kurs in Richtung rhythmische MidTempo Nummern. Sowohl diese als auch das spätere Reptiles sind dabei jedoch ein wenig lang geworden. Die Songidee wird bis zum Ende ausgereizt. Dazwischen noch mein persönliches Highlight. Der Scumbag Blues. Der hohe Gesang Hommes gepaart mit Backgrounds Vocals “You won’t make it out” aufgenommen als kämen sie aus einem viel zu kleinen Proberaum. Dazu noch die übliche Homme Gitarren Licks und einen 80er Jahre Atari Sound (Synthesizer) in der Mitte der instrumentalen Bridge. Hört sich spannend an? ist es auch.

Während Them Crooked Vultures bis zu dieser Stelle durchaus von der Platten-blog Album des Jahres Auszeichnung träumen kann, geht dem Album nun ein wenig die Puste aus. Abwechslung in Form eines ruhigeren Lied (Interludes with Ludes), minimalen Elektrobeat Rhythmen (Gunman) und einem ausgiebigen Klavierintro (Spinning in the Daffodils) täuschen nicht darüber hinweg, dass die Lieder ein wenig schwächer werden. Oder besser nicht mehr so brilliant.

Das Gefühl einer intensiven Jam Session und (meistens großartige) angedachte Songfragmente machen das Debüt von Them Crooked Vultures aus. Drei große Egos und Musiker spielen zusammen, es hat sich scheinbar aber noch keine wirkliche Einheit gebildet. Und genau daran hinkt das Album umso stärker im hinteren Drittel. Auch wenn jedes Lied für sich genommen saucool sein mag und für ROCK- und Gitarren-fetischisten die erwartete Offenbarung ist, es ist auch anstrengend sich in dieses Album über die gesamte Breite reinzuhören. Vielleicht fehlt eine Prise Foo Fighters zum perfekten Album. Umso mehr freuen wir uns, dass Josh Homme in Interviews den Nachfolger für 2010 angekündigt hat.

Platten-blog Kritik: 85%

Tracklist: No one loves me & neither do I; Mind eraser, no chaser; New fang; Dead end friends;Elephants; Scumbag blues; Bandoliers; Reptiles; Interlude with ludes; Warsaw or the first breath you take after you give up; Caligulove; Gunman; Spinning in daffodils

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Wir freuen uns auch über jeden Kommentar…


Pearl Jam – Backspacer

Posted by Bjoern on Donnerstag, 5 November, 2009

Pearl Jam Backspacer CD Cover

11 Lieder. 36 Minuten. Brandon O’Brien als Produzent… Die reinen Fakten ließen mich aufhorchen Nachdem die letzten 2-3 Alben meiner Meinung nach zu verkrampft gewesen sind, habe ich einer meiner Lieblingsbands vergangener Tage ein wenig aus den Augen verloren. Ja, es stimmt schon. Auf jeden Album waren gute Lieder drauf, aber es klang so, als wollten Pearl Jam auf Teufel komm raus kompliziert und schwer klingen. Die Leichtigkeit, und Spielfreude vergangener Tage, sind dabei auf der Strecke geblieben.

Egal. Wie ist es noch mit Helden vergangener Tage? Man gibt Ihnen immer wieder gerne eine Chance. Und Pearl Jam machen auf Backspacer fast alles richtig. Wie Kai auf Plattentest vollkommen richtig bemerkt ist die magische Zahl auf diesem Album Drei. Drei Minuten. Genauso lange dauern die meisten Lieder.

Beispielsweise Lied 2: Got some prescht ordentlich nach vorne. Einfachste Lyric trifft auf schnellen Rock N Roll. “Every time you can try but can’t turn on, a rock song. I got some if you need it…” Simpler gehts nicht. Auch wenn das Erfolgsrezept sehr nach Ramones klingt, hört es sich doch immer noch nach 100% Pearl Jam. Und so geht es munter weiter. The Fixer, die Vorabsingle, legt noch einen drauf und bietet schon fast einen munteren Popsong. Das erinnert an das großartige Smile. (No Code Album, wenn ich mich recht erinne).

Ein weiteres Album Highlight drängt sich noch auf. Unthought unknown. Ein mitreißender MidTempo Song. Mit wellenhafter Dynamik steigert sich dieser und bricht somit mit dem sonst üblichen Strophe-Refrain-Strophe Konzept, ohne dabei die Leichtigkeit des restlichen Albums missen zu lassen.

Auch zwei Balladen haben es auf das Album geschafft. Just Breathe und The End. Auch hier sind sie konsequent. Einfach und minimalistisch leben sie doch von einer simplen Melodie, Luft und Eddie Vedders Stimme.

Viele mögen anderer Meinung sein: Pearl Jam hat diese Frischzellenkur bitter nötig gehabt. Und sie klingen so gut wie schon lange nicht mehr.

und NEIN: Es ist kein zweites Alive drauf, und das wird es auch nie geben. Muss es ja auch nicht…

Platten-blog Kritik: 75%

Tracklist: Gonna see my friend, Got some, The fixer, Johnny guitar, Just breathe, Amongst the waves, Unthought known, Supersonic, Speed of sound, Force of nature, The end — 11

Hier könnt ihr direkt reinhören

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Und: Ja, die CD leuchtet im Dunklen….

Wie gefällt euch die CD? Was ist euer Lieblingslied auf Backspacer?


Dinosaur Jr – Farm

Posted by Bjoern on Samstag, 15 August, 2009

In der Kategorie merkwürdigstes Cover haben Dinosaur Jr. schon einmal eine gute Chance auf den Titel 2009. Ent-artige Wesen, retten auf eben jenem die Menschheit aus dem Smog, der aus industriellen Schornsteinen emporsteigt. Schon ein wenig strange.

In der Kategorie grobe Schnitzer in der Vermarktung sieht es auch nicht schlecht aus. Direkt nach dem Release von Farm haben Dinosaur Jr zur CD Umtauschaktion aufgerufen. Die für Deutschland gepressten CDs hatten einen “technischen Fehler” und waren total übersteuert.

Zum Glück dauerte der ganze Ärger bei mir 3 Tage, und ich konnte mir dann endlich ein Bild von Farm machen. Ob Dinosaur Jr auch in der wichtigsten Kategorie Bestes Album des Jahres eine Chance haben? Ich nehme es vorweg. Und wie.

Die Energie und Spielfreude, die dieses Spätwerk versprüht ist erstaunlich. Zumal Beyond zwar net war, aber der Funken noch nicht so recht übergesprungen ist. Diesmal machen sie alles eine Spur besser. Bessere Riffs, großartigere Mid-Tempo Melodien und natürlich eine große Schippe voll Gitarren-Gegniedel (4 Minuten Soli inklusive, “I don’t wanna go there”).

Wie zu erwarten, ist die Gitarre auch immer das zentrale Element eines jeden Songs. Darum singen die Herren Mascis und Barlow ihre Songs (2 stammen von letzterem und sind auch direkt von ihm eingesungen), zwischen einem Tropfen Melancholie in “Over it” bis hin zum ganzen Fass bei “Said the people”. Der Stil aller Lieder ist schon sehr ähnlich. Positiv gesagt, die Platte klingt aus einem Guss. Die Produktion tut ihr übriges und rundet das Gesamtbild ab. Garage Sound, wie im Lehrbuch. Besonders hervorheben muss ich “Plans”. Was für eine Gesangsmelodie.

Kritikpunkte? Fehlanzeige. Endlich nach langer Zeit kann ich ohne mit der Wimper zu zucken die volle Punktzahl verteilen. Danke Dinosaur Jr.

Wer noch nicht in das Album reingehört hat, tue dies bitte unverzüglich und direkt an dieser Stelle. Bin ich eigentlich der einzige, der sich bei Farm an das großartige White Light, White Heat, White Trash von Social Distortion erinnert fühlt?

Platten-blog Kritik : 100%

Tracklist: Pieces I Want To Know, Ocean In The Way, Plans, Your Weather, Over It, Friends, Said The People, There’s No Here, See You, I Don’t Wanna Go There, Imagination Blind — 12

Übrigens: Dinosaur Jr. sind auf Tour: Hier die Daten und Karten!



Selig – Und endlich unendlich

Posted by Bjoern on Freitag, 17 Juli, 2009

Zweieinhalb mal großartig und der Rest recht gut, aber nicht spektakulär. Die Platten Kritik ist einfach: Sowas was nennt man wohl solides Comeback. Im September 2008 verkündete Jan Plewka selbige Reunion. Es besteht kein Zweifel, dass Selig in den Neunzigern einer der wichtigsten deutschen Alternative Bands gewesen ist. Hits wie “Ohne Dich“, “Wenn ich wollte” oder “Sie hat geschrien” haben den Test der Zeit bestanden und machen (ab und an) auch heute noch Spaß zu hören. Nur das seltsame Blender stoppte ein wenig die Euphorie. Ob das viel zu poppige, teilweise richtig schlechte Album, der Grund für den Split war, bleibt Spekulation.

Egal. Selig sind zurück. Und spielen direkt in ausvekauften Hallen auf ihrer 2009 Tour. Und die CD? Sie schaffen es überzeugend das Feeling der Neunziger wiederaufleben zu lassen. So spricht der Marketing Manager. Fehlender Mut zur Innovation und Scheuklappen. Selig haben ihren Stil lediglich ein weiteres Mal kopiert. So der Kritiker. Wo liegt die Wahrheit. Wie immer in der Mitte….

Das Album fängt gleich mit einem echten Knaller an. Ein langsamer aber stetig steigender Song mit kruden Plewka Texten und Metaphern gespickt… Innerhalb Sekunden fühlt man sich um Jahre jünger und kurzzeitig macht sich ein breites Grinsen auf meinem Gesicht breit.

Dieser Weg in Richtung komplexer Songs und weg vom schnittigen Pop Song wird leider nur ein weiteres Mal bei Ich dachte schon begangen. Dreckiger, düsterer Blues und eine fast zerreissende Stimme. Topp.

Leider liegen dazwischen dann doch wieder die poppigen Deutschrock Lieder, die mal recht gut sind (Die Single “Schau, Schau, Schau“), manchmal aber auch recht belanglos (”Der schönste aller Wege“). Dezente versuche aus dem Schema auszubrechen, sind vorhanden und werden zumindest anerkennend notiert.

An der Stelle wird jedoch viel Potential verschenkt, zumal kein Zweifel besteht: Selig sind ausnahmslos gute Musiker und die durchweg passende und rundum gelungene Produktion tut ihr übriges dazu. Nur die Songs überzeugen nicht so richtig.

Egal. Zum nebenbei hören ist das Album auf jeden Fall gelungen. Und damit besser als viele andere Comebacks in den letzten Jahren.

Platten-blog Kritik: 65%

Tracklist: Auf dem Weg zur Ruhe, Wir werden uns wiedersehen, Schau schau, Ich fall’ in Deine Arme, Die alte Zeit zurück, Ich bin so gefährdet, Immer wieder, Lang lebe die Nacht, Der schönste aller Wege, Ich dachte schon, Du siehst gut aus, Traumfenster — 12

- Björn




Ladyfinger (Ne) – Dusk

Posted by MarcNess on Donnerstag, 11 Juni, 2009

l2 Hallo, mein Name ist Chris Machmuller. Das sind meine Jungs Jamie, Ethan und Pat und gemeinsam sind wir (im Chor): Ladyfinger-N-E!” So oder zumindest so ähnlich könnte eine Vorstellung der jungen Wüstenrocker aus Nebraska im Programm hiesiger Radiosänder klingen. Hier handelt es sich natürlich um einen Spaß. Puh, Glück gehabt. Denn zum Einen stehen Ladyfinger beim Connor-Oberst-Label “Saddle Creek” unter Vertrag, was ihnen bereits eine gewisse Form der Stammkundschaft (aber auch Skepsis) sichert. Zum Anderen ist das, was sie uns mit ihrem Zweitwerk Dusk anbieten, nicht sonderlich radiotauglich. Machmuller und Co. spielen wie auch schon auf ihrer ersten gemeinsamen Scheibe noise-und punkinfizierten Hardrock , besitzen aber mittlerweile den Drive, Spannungsbögen aufzubauen und zwischen schnell und semi-druckvollem Sound zu variieren.

Als Eröffnungstrack bollert “Over and over” gleich kräftig los. Die Drums scheppern unaufhaltsam, wirbeln ordentlich Staub auf. Die Gitarrenriffs kennen nur eine Richtung: sie treiben zusätzlich vorwärts. Machmuller untermalt das Ganze mit läßigem Ausdruck im Gesang. Außbrecher  ins Land des Krächzens und des Jaulens (Rockgrößen wie Homme oder Grohl zelebrieren das seit mindestens einer Deakde), platzen unberechenbar aus der Gelassenheit des Leadsängers  heraus.  Die Singleauskopplung “Little Things” hat nicht nur das Zeug, sich in den Playlists einschlägiger Indie-Discotheken zu etablieren, sie verpflanzt sich zudem ganz fix in den Lauschlumpen des überraschten Saddle- Creek-Anhängers, dem vor Schreck der Cowboyhut vom  Kopf kippen dürfte. Ebenso wahrscheinlich ist, dass jedem Jünger geradliniger Rockmusik, der angesichts des letzten “echten” Danko-Jones-Albums vor seinem staubigen Plattenteller trauert, nun endlich mal wieder Einer flitzen geht.

Und Höhepunkte gibt es hier genug: “Read The Will” überzeugt mit fesselnder Melodie im Mittelteil und einem herzschlag-dominierendem Outro, dem man sich nur schwer wieder entziehen kann. Während “Plans” und “Let’s Get Married” der ersten Single-Auskopplung in Sachen besagter Radiotauglichkeit wohl am nächsten, aber (Gottseidank) nicht nah genug kommen,  benötigen die meisten Songs Zeit, um beim aufgeschlossenen Hörer komplett zu zünden. Sie besitzen halt ihre Ecken und Kanten.  Ein Hauptkritikpunkt scheint für den Einen oder Anderen zu sein, dass bei Ladyfinger der große Leader á la Grohl oder Homme oder Presley fehlt. Derjenige, dem eine Band nur dann gefällt, wenn große Gesten und One-Man-Shows der angedeuteten Art garantiert sind, wird sich natürlich früh von Ladyfinger abwenden, aber an demjenigen wird mit Dusk zumindest schonmal ein kleiner Kelch vorbeigehen. Echte Kritikpunkte sind dagegen darin auszumachen, dass “Work Party” zum Beispiel tatsächlich viel zu sehr nach den großen Vorbildern klingt und zu wenig nach Ladyfinger und dass der letzte Song des Albums so unpassend ausgefadet wird, obwohl er sich zu dem Zeitpunkt auf einem durchschnittlichen Spannungsniveau befindet. Da wäre es vielleicht ratsamer gewesen, mit einer whiskey-getränkten Akkustik-Ballade zu schließen oder ein paar Sätze zur einsamen Gitarre ins Mikro zu hauchen oder so. Nur ein Tip. Aber es ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Plattenblog-Bewertung: 70%

Tracklist: Over & over, A.D.D., Little things, Two years, Read the will, Work party, Bones, Plans, Let’s get married, Born in the eighties– 10

-Marc


Muff Potter – Gute Aussicht

Posted by Bjoern on Sonntag, 10 Mai, 2009


Die Party ist vorbei, lass uns tanzen. Und weiter: Statisten verlassen das sinkende Schiff und Touristen ziehen weiter… auf dem Trümmerfeld ist endlich wieder Platz. Besser als im Lied Nummer 6 der Guten Aussicht kann man es nicht zusammenfassen. Nach dem Major Ausflug sind Muff Potter wieder dort, wo sie hingehören. Zurück auf Ihrem alten Hauslabel Huck’s Plattenkiste überrascht Album Nummer 7 mit einer Spielfreude, die die Tomte/Pop Annäherung des letzten Albums “Steady Fremdkörper” wieder rückgängig macht.

Stattdessen geht es vom ersten Lied an nach vorne. Über einer im dreckigen Wüstenstaub aufgebauten Soundwand schreit Nagel seine literarischen Helden und Vorbilder raus. Sie begleiten Ihn als treue Wegbegleiter durch sein Leben, seine Musik und Reisen. Ähnlich wie dieses forciert auch jedes weitere Lied textlich ein anderes Thema, und stellt dadurch Alltagssituationen mit Charme und Wortwitz treffend da. Es geht um One Night Stands, die Suche nach großer Liebe, Landflucht (Lieblingszeile: Niemand will mehr Rüben ernten), Geldsorgen, Parties etc. Identifikationspotential hockt an jeder Ecke.

Da gibts beispielsweise das Punkrock Brett: Ich bin charmant, in der die teilweise zwanghafte Suche nach Individualität tematisiert wird. Diese kann zur Selbstverfremdung führen. Niemand ist wie ich, nicht mal ich. Auch wenn jeder anders als der Andere sein will, geht es letztendlich darum so zu sein, wie man wirklich ist und dabei vom sozialen Umfeld anerkannt wird. Ähnlich lassen sich viele Texte auf Gute Aussicht interpretieren.

Auch wenn musikalisch auf dem ersten Blick alles roh und widerspenstig klingt, überrascht das Album nach mehrmaligem Hören doch mit ausgefeiltem Songwriting und Überraschungen an vielen Ecken (seien es die HeyHo Lets Go Rufe der aktuellen Blitzkredit Bop Single oder auch der musikalische Seitenhieb am Ende von wir werden uns kümmern)

Auch wenn einige Pointen nicht immer zünden, einige Wortwitze ein wenig flach sind und einige Lieder nicht so zwingend, wie der großartige Anfang sind, Muff Potter etablieren sich ein weiteres Mal im Herzen der deutschen Indie Punk, Angry Pop, whatever Jugend.

Zum Abschluss erwähnenswert: Die Vinyl Edition. Neongelbes Vinyl sieht schick aus und die kostenlose MP3 Version des Albums vereinfacht auch das Unterwegshören. Alles für den Fan. Lobenswert.

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Tracklist: Ich und so, Rave is not rave, Ich bin charmant, Niemand will den Hund begraben, Blitzkredit Bop, Die Party ist vorbei, Alles war schön und nichts tat weh, Wie spät ist es, und warum?, Wir werden uns kümmern, Mein Freund, das Wrack, Eiskunstlauf ohne Ton, Gute Aussicht– 12

-Björn



Hier kostenlos in das aktuelle Muff Potter Album reinhören:


Franz Ferdinand – Tonight

Posted by Bjoern on Mittwoch, 11 Februar, 2009

Franz Ferdinand Tonight
Die dritten Alben einer Band sind oft etwas besonderes und in der Regel ein Indikator, ob die Bands auch in Zukunft relevant bleiben. Franz Ferdinand hat da nicht gerade die günstige Ausgangslage erwischt. Ein (zurecht) sehr erfolgreiches erstes Album und einen Nachfolger, der zwar den FF Stil ein wenig verfeinert hat, aber im großen und ganzen nicht wirklich überzeugen konnte. Dazu eine 3 1/2 jährige Pause, Band interne Streitereien und merkwürdige Ankündigungen, keine Alben sondern nur noch Singles zu veröffentlichen. Naja… und nun liegt doch endlich das aktuelle Album vor.

Mit der Vorab Single Uysses gehts auch gleich los. Eine groovende, betont coole Strophe und ein typischer Ohrwurm Refrain (siehe Youtube Video). Aber trotzdem nicht so ganz der nächste Indie Disco Hit. Woran liegts? Irgendwie fehlt der letzte Drang zum Hit. Das i-Tüpfelchen, dass den Song aus der Masse an bisherigen Franz Ferdinand und Co. Hits herausstehen läßt. Und genau das Problem zieht sich leider durch die ganzen nächsten Songs inkl. Lied zehn: Lucid Dreams. Eben jenes überrascht dann noch mit einem Elektro Acid Outro. Unerwartet? Ja, deswegen gut? Nein. Hier hätte dann die Platte aufhören sollen. Aber stattdessen folgen noch zwei Acoustic Balladen, allenfalls auf B-Seiten Niveau. Idee ganz nett, deswegen gut? Nein.

Schon, klar. Das alles ist Nörgeln auf hohem Niveau und viele andere Bands würden sich die Finger nach den Liedern schlecken. Aber die hohe Messlatte hat sich Franz Ferdinand selbst auferlegt. Und dem Album mangelt es einfach an ein paar genialen Momenten.

Doch genug gemeckert. Freuen wir uns doch einfach an den guten Momenten, etwa den im Band Kontext neu hinzugefügten Elektro Spielereien; Oder der großartigen druckvollen Produktion des Albums, die in Kombination mit den groovenden, basslastigen bzw beatlastigen Liedern das Tanzbein zum Zucken bringt. Das ist Disco im positiven Sinn. Herausragende Beispiele dafür sind What she come for oder auch Bite hard. Auch mag die coole Gesangslinie in Send him away überzeugen.

Zusammengefasst kann festgehalten werden, dass das Album eine ganze Spur besser als You could have it so much better ist. Franz Ferdinand haben jedoch bereits gezeigt, dass sie auch noch eine Liga höher spielen können. Ob die Band in Zukunft relevant bleibt? Das wird sich wohl erst mit Album Nummer vier zeigen. Entscheidung vertagt.

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Tracklist: Ulysses; Turn it on; No you girls; Send him away; Twilight omens; Bite hard; What she came for; Live alone; Can’t stop feeling; Lucid dreams; Dream again; Katherine kiss me — 12

-Björn


The Raconteurs – Consolers of the lonely

Posted by MarcNess on Samstag, 3 Januar, 2009

the-raconteurs-consolers-of-the-431604Mr. Jack White als Mitglied einer richtigen Band? Das soll funktionieren? Man konnte sich bisher des Eindrucks nicht erwähren, dass sich der Frontmann und die Seele des Gitarren-Gegnidel-Trommel-Duos mit den Lieblingsfarben Rot, Weiß und Schwarz nicht gern ins Handwerk fuschen läßt. Zu sehr war und ist Meg an seiner Seite das niedlich trommelnde Püppchen, das sich immer schön bemüht, den Takt zu halten, den Jack ihr mit strengem Blick signalisiert, während er in sich selbst vertieft seine heißgeliebte Gitarre mit Hingabe und Präzision bearbeitet.

Mit Ihrem Debüt “Broken boy soldiers” hatten sich die Raconteurs bereits in der internationalen Welt des Rock angemeldet, doch bis auf die Single “Steady as she goes” schien der Rest des angesprochenen Albums ein wenig am Focus alternativer Hochachtung vorbei gegangen zu sein, konnte nicht nachhaltig berühren. Mit Consolers of the lonely wollte man nun Einiges anders machen. Überraschend war allein die Tatsache, dass die Veröffentlichung direkt eine Woche nach der Ankündigung erfolgte.

Für Innovation in Sachen Programm bürgt direkt der Opener und Titeltrack. Hier geht es vielmehr um unbefangene Spielfreude und Unberechenbarkeit, als dies beim zu runden Vorgänger der Fall war. Das anhand des ersten Durchlaufs zu erraten, bedarf jedoch keiner Kunst. “Salute your salution” knüpft direkt dort an und rockt das Riff. Mit eingeschränkter Singletauglichkeit wird weiter Neugierde geschürt. Und wie Schuppen vermag es Einem von den Augen zu fallen: Jack White ist ja gar nicht alleiniger Kopf der Bande. Brendan Benson – seinerseits kein unbekannter Singer Songwriter – läßt sich die Butter nicht vom Brot nehmen. Beide Frontleute schieben sich im Laufe der knappen Stunde die Bälle in vorm von einnehmenden Gesangsparts gekonnt hin und her, harmonieren und ergänzen sich, geben sich aber den Raum, ihr Können auch von einander losgelöst unter Beweis zu stellen. So brilliert Benson in “Old enough”, einer Art Beatles-Gedächtnisnummer oder dem bewußt glatt gehaltenen 60er Jahre Vegas-Song “Many shades of black”. White gelingt es dagegen hervorragend, sich in entscheidenen Momenten zurückzuhalten und seinem Compagnon die Bühne zu gönnen. “Hold up” und “Five on the five” tragen nebst anderen seinen Stempel, begeistern mit schroffem Blues und der Attitüde einer abendlichen Jam Session.

“The switch and the spur”, der “Rich kid blues” und die Südstaaten-Ballade “Carolina drama” bilden wahre Höhepunkte. Alles in Allem läßt sich das Gesamtwerk Consolers of the lonely wohl ganz gut mit einem leicht angestaubtem aber äußerst gut erhaltenem Fotoalbum vergleichen, dass mit Bildern im trüben Grau, schweren Herzens die nicht immer nur glücklichen Geschichten der alten Sippschaft erzählt. Und es wird nach dieser überzeugenden Vorstellung der gesamten Mannschaft nicht nur die treuen Anhänger von Jack White freuen: Bald gibt es den nächsten Akt, darauf haben wir sein Indianerehrenwort.

Plattenblog Bewertung: 85%

Tracklist: Consolers of the lonely; Salute your solution; You don’t understand me; Old enough; The switch and the spur; Hold up; Top yourself; Many shades of black; Five on the five; Attention; Pull this blanket off; Rich kid blues; These stones will shout; Carolina drama — 14

-Marc


The Gaslight Anthem – The ‘59 Sound

Posted by MarcNess on Mittwoch, 17 Dezember, 2008


Nomen est omen. Selten hat eine Band der Bezeichnung “Punk & Roll” derart Rechnung getragen, wie es The Gaslight Anthem mit ihrem zweiten Longplayer tun. Nachdem sie mit dem rauhen “Sink Or Swim” bereits im Jahre 2007 einen ersten Achtungserfolg verzeichnen konnten und nahezu direkt eine Art Interims-EP folgen ließen, legen die Mannen um Frontmann Brian Fallon nun wiederum nach, als sei der Beelzebub höchst persönlich hinter ihnen her. Und schon an dieser Stelle können zwei Dinge festgehalten werden: Zum Einen wurde mit relativ wenig Mitteln viel erreicht. Zum anderen ist Brian Fallon ein Mann der die Frauen, seine Heimat und Bruce Springsteen liebt.

Der Opener “Great Expectations” legt bereits ein mächtiges Tempo vor, kommt schnörkellos zum Refrain und schon wird klar, dass es hier gleich Ohrwürmer hagelt. Hymnenähnlich bohrt sich der Erste in den Gehörgang und ins Gedächtnis des noch leicht überrumpelten Hörers. Mit dem Titeltrack folgt der zweite Streich und macht den sprichwörtlichen Sack dann auch schon zu. Nun hat er Dich, der ‘59 Sound, und er läßt Dich nicht mehr fort.

Brian Fallon, Alex Levine, Benny Horowitz und Alex Rosamilia versprühen stets konsequent und durchaus authentisch jede Menge 50er-Jahre-Flair, sei es durch sparsam eingesetzte Soundeffekte (das Anlassen des Motors im überragenden “Old White Lincoln”), dem Anführen diverser 50er-Jahre-Stilikonen oder der Verarbeitung zeitadäquater Inhalte als solche. Brian erzählt uns Geschichten, die das Leben schreibt, ohne sich lang mit rethorischen Feinheiten aufzuhalten. Protagonisten sind Menschen wie Du und ich: Jane, Maria Virginia, Johnny, Grandmama und wie sie noch alle heißen. Schreiben kann Brian Fallon eigentlich immer, über gebrochene Herzen, verlorene Liebe, Hoffnung, Fernweh oder über seine Heimat. “Old White Lincoln”, “Film Noir” und “die großartige Folk-Ballade “Even Cowgirls get The Blues” sind Stücke für die Ewigkeit, die man von nun an durch so manchen Sommer tragen wird. Bei “Here’s Looking At You, Kid” möchte man dann nur noch weinen, vor Glück. Zu bewegend war die Reise, auf die Brian uns mitgenommen hat. Und noch bevor der Hörer in der Lage ist, hastig vom Sofa aufzuspringen und die Repeat-Taste seiner Stereoanlage zu drücken, geht es ein letztes Mal auf den Rücksitz des alten 55er Chevy, wo man glücklicherweise genug Platz hat, tief durchzuatmen, das Erlebte Revue passieren und sich breitbeinig auf das kühle Leder fallen zu lassen. Und denken mag man natürlich nur noch an die Eine (And your sugar and spice, and everything nice. You got Monroe hips, your poison lips and knives. And your sugar and spice, and everything nice, open wounds and a young boy’s pride).

Spannend bleibt wie sooft die Frage, ob der Gaslight Anthem bei dem Tempo nicht schon bald der Sprit ausgeht. Wir drücken die Daumen.

Plattenblog Bewertung: 90 % Great expectations; The ‘59 sound; Old white Lincoln; High lonesome; Film noir; Miles Davis & the cool; The patient ferris wheel; Casanova, baby!; Even cowgirls get the blues; Meet me by the river’s edge; Here’s looking at you, kid; The backseat — 12

Tracklist:

-Marc


The (International) Noise Conspiracy – The Cross of My Calling

Posted by Bjoern on Montag, 1 Dezember, 2008

Mittlerweile sollten wirklich alle zur Revolution tanzen. The (International) Noise Conspiracy und Rick Rubin sei Dank. Bereits das letzte Album war richtig gelungen. TINC zeichneten zwar schon immer gute Songs aus, aber so richtig entrümpelt und getrimmt klangen sie erst auf Armed Love, der ersten Zusammenarbeit mit Rick Rubin. Ich dachte das Album wäre in Sachen 60s Garage Rock schwer zu toppen. Schwer gefehlt. Auf The Cross of My Calling wirds nochmal eine Spur besser.

Obwohl: fangen wir mal ausnahmsweise zuerst mit dem “Schlechten” an. Ich fand die letzte Produktion wesentlich druckvoller. Hier hören sie sich wieder roher an, fast wie ein Live Mitschnitt an. – Garage Punk Rock eben. Gerade die Gitarre ist an einigen Stellen dennoch ein wenig unspektakulär in Szene gesetzt. Egal. die Songs hauen das locker wieder raus.

Textlich bekommen wir genau das geliefert, was wir von Dennis Lyxzén erwarten: Hier reihen sich Abgesänge auf Kapitalismus neben Verurteilungen der amerikanischen Gesellschaft/Politik (Storm the gates of Beverly Hills, Washington Bullets). Subtil ist was anderes. Dies ist selbstverständlich alles gespickt mit zahlreichen Zitaten und Namen. Stunden und Tage würd es dauern, dies alles nachzuschlagen. Doch mir gehts ja eher um die Musik.

Und hier punk rockts herrlich. Minimalism is the King, dezent mit einigen herrlichen Soli und Doors Reminenzen gespickt – Ganz groß die Doors-Rider-on-the-Storm- Orgel in Child of God. Intro und Interlude zeigen die Erfahrung aus der 10 jährigen Bandgeschichte. Verspielte Hippie Instrumentals ohne irgendwo den Faden zu verlieren. Das dies neben einigen Blueselementen perfekt zum restlichen Punkrock passt ist schon eine Leistung.

Und genau im PunkRock finden sich die zahlreichen Wochenlang-Ohrwurm Garantien. Assassination of Myself ist direkt der erste. Hit. Arm yourself der nächste. Hit. So gehts weiter. Die letzten Alben der The Hives, Ceasars und Konsorten werden einfach und locker an die Wand gespielt. Die Spielfreude ragt aus jeder Note. Respekt. Am Ende haben The International Noise Conspiracy dann nochmal eine Überraschung parat. Der Titeltrack entpuppet sich als jenseits der 8 Minuten Monster – ein wenig pathetisch aber trotzdem großartig. Das perfekte Konzert Outro.

Ja… und da muss ich nächste Woche auch hin, um zur Revolution tanzen zu können. “Burn like the temperature of the sun”

Plattenblog Bewertung: 85%

Tracklist: Intro; Assassination of myself; Dustbins of history; Arm yourself; Hiroshima mon amour; Boredom of safety; Child of God; Interlude; I am the dynamite; Washington bullets; Satan made the deal; Storm the gates of Beverly Hills; Black September; The cross of my calling –14

- Bjoern