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Indie Cindy

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Musik ist Leidenschaft, und die Leidenschaft zu Lieblingsalben oder -bands kann abstruse Formen zeigen. Nirgendwo offenbart sich das so deutlich, wie in dem Moment, an dem sich eine Lieblingsband wiedervereint und es wagt ein neues Album aufzunehmen. Die Pixies veröffentlichen nach 23 Jahren ein neues Album, und Indie Cindy ist seit Wochen das geprügelte Kind von Fans und vielen Musikkritikern. Was ist da los? Eigentlich sollte Indie Cindy erst einmal Grund zur Freude sein. Die Pixies sind schließlich seit 2004 wieder gemeinsam auf Tournee ohne neues Material aufzunehmen (ausgenommen dem einzeln veröffentlichten Song Bam Thwok). Die kostenlose Live EP aus dem Jahr 2009 war ein guter Beweis der Live Qualitäten des alt bekannten Materials. Kim Deals Ausstieg, seiner Zeit Bassistin und Gründungsmitglied, kurz vor der Veröffentlichung des neuen Materials deutet bereits an, dass die Entscheidung für neues Material intern nicht einstimmig gewesen sein muss. Die Veröffentlichung in Form von drei EPs (EP1, EP2, EP3) und anschließend derselben Lieder in Form einer regulären Albums mag finanziell sich ausgezahlt haben, künstlerisch vielleicht nicht die beste Wahl gewesen sein. Kaum erschien EP1 ging das Pixies Bashing los. Pitchfork bspw. vergab 1.0 Punkte (im Vergleich dazu Surfer Rosa und Doolittle eine 10.0). Da war ein Fan Herz wohl enttäuscht. Ähnliche Rezensionen über alle drei EPs fanden sich im Internet zu Hauf, Fans erster Stunde fühlten sich persönlich angegriffen und benahmen sich, als hätte Black Francis ihnen persönlich in den Garten geschissen.

Ende April erschien Indie Cindy auf Album-lLnge und der allgemeine Konsens stabilisierte sich zumindest ein wenig stabilisiert. Zeit dem Album eine Chance zu geben. Und auf Album-Länge funktionieren die Songs. Das erste was auffällt: Die Pixies haben sich weiterentwickelt. Wer Lieder wie Gigantic, Monkey Gone To Heaven oder Where is My Mind kennt und erwartet, wird sich zunächst über die Entspanntheit wundern, die einem Groß der Songs innewohnt. Die Pixies 2014 sind eher melancholisch statt wild. Songs wie Greens and Blues, Magdalena 318 oder Another Toe in the Ocean passen herrlich ins Auto oder wahlweise auf ein Festival – Hauptsache die Sonne scheint. Der Titeltrack Indie Cindy spielt das bekannte Laut/Leise Spiel und vereint einen queren Sprechteil mit einem verträumt-gesungenen Refrain. Andro Queen ausgestattet mit sphärischen Klängen und einer enorm hohen Stimme, verstört, besitzt jedoch gleichzeitig genau deswegen einen nicht zu leugnenden Charme.

Das Album schwächelt am ehesten, wenn die Band den alten Stil wiederaufleben lassen möchte. Der Single Bagboy fehlt es an Biss, sie ist mit fast fünf Minuten auch deutlich zu lang geworden. Die aggressiven What Goes Boom und Blue Eyed Hexe unterbrechen den Album-Fluss und funktionieren im Gesamtzusammenhang, sind aber für sich genommen höchsten Durchschnitt.

Sicherlich kann Indie Cindy die gegen Unendlich gestiegene Fan Erwartungshaltung nicht erfüllen. Aber lassen wir die Kirche doch mal im Dorf! Wir haben es hier mit einem leicht melancholischen Sommeralbum zu tun, von dem ich einige Lieder auf der nächsten Pixies Tour live hören möchte – zwischen den Klassikern. Viel besser als die belanglose Rückkehr der Stone Temple Pilots.

Indie Cindy Tracklist:
What Goes Boom; Greens and Blues; Indie Cindy; Bagboy; Magdalena 318; Silver Snail; Blue Eyed Hexe; Ring the Bell; Another Toe in the Ocean; Andro Queen; Snakes; Jaime Bravo
Pixies Indie Cindy
Pixiesmusic (rough trade), 25.04.2014
Plattenkritik von , 28.04.2014
Gesamtpunktzahl: 70%

Autor: Bjoern

ist leidenschaftlicher Musik-Blogger. Von Indie-Pop über Schweden Rock bis hin zur neuesten Hardcore Scheibe rezensiert Björn, alles was ihm unter die Finger kommt und mit Gitarre zu tun hat.

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