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Circulation

JPNSGRLS-Circulation-Cover

Vier Typen im Kornfeld. Klingt romantisch und irgendwie nach Mumford & Sons. Falsch gedacht. Diese fatale Fehleinschätzung ist tatsächlich meine Schuld. Liegt aber daran, dass ich peinlich genau darauf achte, mir meine Erwartung nicht durch Genrebestimmungen und schon existierende Rezensionen zu sehr beeinflussen zu lassen. Musik an, Welt aus und los geht’s. Sofort ist klar: Das ist eine ganz andere Hausnummer.
JPNSGRLS nennen sich die vier jungen Herren aus Vancouver. Was sich wie die Vertonung eines Bäuerchens nach dem ersten Feierabendbier liest, hieß ursprünglich mal Japanese Girls, doch die Entwicklung der Suchmaschinenlandschaft zwang die Band dazu, die Vokale aus dem Namen zu nehmen. Wer bei Google nach Japanese Girls sucht, kommt nämlich eher nicht bei talentierten Musikern an. Dieser Stolperstein wurde 2010 aus dem Weg geräumt und jetzt nehmen JPNSGRLS mit ihrem Debutalbum namens „Circulation“ Anlauf.

Definitiv kein Folk

Musikgenres sind eine hinterhältige Angelegenheit. Alternative klingt nach etwas, das niemand zuordnen kann. Doch über die Jahre hat man doch eine Vorstellung davon bekommen, wie Alternative klingt, denn letztendlich war es ja doch immer die gleiche Musikrichtung, die keiner zuordnen konnte. Auch JPNSGRLS wird unter anderem mit Alternative kategorisiert, doch ich finde es immer lohnenswert, an neue Bands und ihre Musik so wertungsfrei wie möglich heranzugehen.

In den meisten Rezensionen liest man Dinge wie „klingt nach“, „ist eindeutig beeinflusst von…“ etc., doch auch das macht es oft zu einfach. In 11 Songs haben die Jungs den Balanceakt zwischen „sich austoben“ und „einen eigenen Sound präsentieren“ meiner Ansicht nach gut gemeistert.

 

Was gefällt

Einiges! Angefangen beim Frontmann, Charlie Kerr: Der Sänger beherrscht sein Handwerk. Sowohl in den aufbrausenden Parts als auch in ruhigen Momenten wird er nicht anstrengend. Das macht das Zuhören angenehm, denn leider gleiten junge Herren in diesem Metier an aggressiveren Stellen allzu oft ins Gekreische ab. Doch auch den anderen Bandmitgliedern kann man offensichtlich volle Zurechnungsfähigkeit attestieren. Sie beherrschen ihre Instrumente und keiner fällt aus dem Rahmen. Doch wer glaubt, so würde Langeweile aufkommen irrt, denn: Die Band besticht durch ein gewisses Überraschungsmoment. Wer des Öfteren Musik wirklich anhört, statt sie im Hintergrund laufen zu lassen, wird das Gefühl kennen: Man glaubt ab und an zu wissen, wie der Song weitergehen wird. Ich kann nur für mich sprechen, doch beim Anhören war ich bei einigen Songs, z.B. Tiger und Brandon, freudig überrascht, wie falsch ich lag. Und: Das Album ist handwerklich gut gemacht. Indie und Prob-Rock avanciert leider viel zu oft in einen Klangbrei, bei dem man einzelne Instrumente gar nicht mehr voneinander unterscheiden kann. Das ist hier nicht der Fall. Daumen hoch!

Was gefehlt hat

Ein bisschen hier und da. Das Album bleibt konsequent auf seinem Niveau. Das ist prinzipiell gut, doch fehlt in meinen Augen die eine große Hymne, die sofort im Kopf hängen bleibt und die man als Ohrwurm stundenlang mit sich herumträgt. Außerdem: Ich habe das ein oder andere Mal das Gefühl bekommen, der Sänger wäre sich seiner selbst nicht sonderlich sicher. Hier und da etwas weniger Effekt auf der Stimme hätte dem Ganzen sicher keinen Abbruch getan.

 

Fazit

Circulation ist ein solides Debut-Album. Nicht ganz massentauglich, aber das kann man den Musikern nur zu Gute halten. JPNSGRLS haben ihre Findungsphase definitiv abgeschlossen – man merkt, dass sie sich ihres Stils und ihrer Musik sicher sind. Das gefällt!

Circulation Tracklist:
Smalls; Tiger; Brandon; Circulation; Mushrooms; From The East; Tennis Shoes; Southern Comforting; Laughing Gas; David and Goliath; Oh No Echoes
JPNSGRLS Circulation
Light Organ Records (rough trade), 10.04.2015
Plattenkritik von , 10.04.2015
Gesamtpunktzahl: 60%

Autor: Chris

ist 22 und seine Verbindung zur Musik hat er über die Instrumente, die er spielt, aufgebaut. Musik ist elementar für seine Laune - nimm ihm für ein paar Tage seinen iPod oder seine Gitarre weg und er wird ungemütlich...

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