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Anthems for doomed youth

The Libertines - Anthems For A Doomed Youth - Cover

„Da is‘ das Ding“: Das Album, mit dem niemand gerechnet hat. The Libertines veröffentlichen tatsächlich ihr drittes Album – Anthems For Doomed Youth. Umso erstaunlicher, dass die Band um Peter Doherty und Carl Barât dabei nicht auf Nummer sicher gehen.
Nehmen wir einmal den ganzen Hype um The Libertines zur Seite. Dann haben wir immer noch eine Band mit etlichen Ohrwurm Klassikern, die sich wie kaum eine andere britische Band seit Oasis zu inszenieren weiß. In der 11-jährigen Bandpause brachte Pete(r) Doherty mit seiner Zweitband Babyshambles drei gute Alben und ein Soloalbum raus. Dirty Pretty Things und die Solowerke von Carl Barât waren weit weniger erfolgreich und klangen inspirationslos. Ähnlich wie bei den Gallagher Brüdern scheint der große Wurf nur zu zweit zu gelingen. Die Freude ist umso größer, mit Anthems For Doomed Youth, ein neues Album in den Händen zu halten. Dabei versuchen die neuen Stücke gar nicht erst, den alten Sturm und Drang Zeiten hinterher zu rennen.

Erste Höreindrücke vielversprechend

Gunga Din, die vorab veröffentlichte Single, durchzieht ein wohliger Reggae Vibe. Das quasi Titelstück Anthem for Doomed Youth ist ein milder Rückblick auf die wilden Zeiten. Und spätestens wenn Peter Doherty mit seinem schludderigen Gesang einsetzt, ist klar, dass die beiden am besten gemeinsam funktionieren „Was it Cromwell or Orwell who first led you to the stairwell„. Glasgow Coma Scale Blues wurde ebenfalls vorab vorgestellt und kann als gemäßigte Würdigung an das Debütalbum „Up The Bracket“ durchgehen. Dabei fehlt es ein wenig an alter Ungestümtheit, um in einer Liga wie bspw. I get along zu spielen.

Sturm und Drang Zeiten vorbei?

Der Band scheint das bewußt zu sein und versucht erst gar nicht in die Falle zu treten. Denn Anthems For Doomed Youth hat auch noch eine andere Seite. Die Piano Ballade You’re My Waterloo nimmt das Tempo zu Beginn des zweiten Drittels vollends raus. Iceman beginnt als Lagerfeuer Akustik Ballade und ist mit typischer Doherty/Barât Melodie ein Ohrwurm mit Widerhaken. Mit Milkman’s Horse und dem Rausschmeißer Dead For Love ist die Dichte an ruhigen Lieder höher denn je. Gewohnte Kost dagegen gibt es in dem Album Opener Barbarians und Heart Of The Matter. Beide klingen frisch, unangepasst und gehören in britische Pubs – das selbstbetitelte zweite Album läßt grüßen.

Überraschung gelungen?

Naheliegendes Kopieren des alten Erfolgsrezeptes ist scheinbar nicht ihr Ding. Anthems For Doomed Youth klingt nur in Teilen nach den alten The Libertines. Stattdessen ist das Album abwechslungsreicher denn je geworden. Dass dabei nicht alles sitzt, ist verzeihlich, so lange es gute Songs a’la Gunga Din abwirft – und das tut es. Comeback geglückt, besser als die alten Werke ist das Neue jedoch nicht.

PS: Die Deluxe Edition des Albums lohnt sich. Die vier zusätzlichen Tracks sind Neuaufnahmen von früheren Demos und klingen am ehesten nach den alten Libertines.

Anthems for doomed youth Tracklist:
Barbarians; Gunga Din; Fame And Fortune; Anthem For Doomed Youth; You're My Waterloo; Belly Of The Beast; Iceman; Heart Of The Matter; Fury Of Chonburi; The Milkman's Horse; Glasgow Coma Scale Blues; Dead For Love
The Libertines Anthems for doomed youth
EMI (Universal Music), 11.09.2015
Plattenkritik von , 13.09.2015
Gesamtpunktzahl: 70%

Autor: Bjoern

ist leidenschaftlicher Musik-Blogger. Von Indie-Pop über Schweden Rock bis hin zur neuesten Hardcore Scheibe rezensiert Björn, alles was ihm unter die Finger kommt und mit Gitarre zu tun hat.

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